{"id":1321,"date":"2022-08-21T12:22:00","date_gmt":"2022-08-21T11:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1321"},"modified":"2024-08-18T15:40:01","modified_gmt":"2024-08-18T14:40:01","slug":"21-08-2022-11-etappe-ciruena-nach-granon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1321","title":{"rendered":"21.08.2022 11. Etappe Ciruena nach Granon"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1431\" style=\"width:219px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG_20220821_123626-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Nacht war ruhig, was ja kein Kunstst\u00fcck war, waren wir doch nur zu zweit auf einem Zimmer. Der Hospitalero hatte das gemeinsame Fr\u00fchst\u00fcck schon vorbereitet. Ein neues Gesicht war heute fr\u00fch am Tische. Ein Pilger der gestern Abend sehr sp\u00e4t gekommen sein muss. Es stellte sich heraus, das es ein Deutscher war. Ein durchtrainierter Mann so um die drei\u00dfig Jahre alt. Nat\u00fcrlich sprach ich ihn darauf an, warum er gestern so sp\u00e4t kam. Er sagte, das er jeden Tag so lange unterwegs w\u00e4re. Sein Tagespensum betr\u00e4gt immer zwischen 45 und 50 km. Deshalb muss er ja fr\u00fch starten und kommt immer sp\u00e4t an. Ich meinte zu ihm, das das eigentlich nicht viel mit Pilgern zu tun hat, aber er war eigentlich nicht als Pilger unterwegs, sondern vielmehr aus sportlichen Gr\u00fcnden. Er erz\u00e4hlte, dass seine erste Etappe von St. Jean pied de Port \u00fcber die Pyrin\u00e4en bis Zubiri in einem St\u00fcck war, das sind 46 km. Welch ein Wahnsinn. Ich meinte nur zu ihm, ob es nicht besser w\u00e4re solche Strecken irgendwo anders zu laufen, z.B. auf Mallorca, als auf dem Camino. Dort w\u00fcrde er wenigstens den Pilgern nicht den Schlafplatz wegnehmen und die Wege verstopfen. Das gefiel ihm gar nicht, was ich da so sagte. Meine Worte taten mir auch gleich leid und entschuldigte mich daf\u00fcr. Als Pilger muss man eben solches auch aushalten, wie so manche anderen negativen Ausw\u00fcchse die der Boom des Camino so mit sich bringt. Dazu sp\u00e4ter sicherlich mehr. Der erste Ort der kam war Santo Domingo de Calzada. Gleich am Ortseingang kam das Zisterzienserkloster in dem Edgar und ich zusammen mit Conny \u00fcbernachtet hatten. Da kamen sch\u00f6ne Erinnerungen zur\u00fcck. Aus der nebenan liegenden Kirche h\u00f6rte ich Gesang und ging hinein. Die Nonnen hielten gerade ihre Morgenandacht mit Gesang. Einfach herrlich. Ich nahm mir die Zeit um ihnen in aller Ruhe zuzuh\u00f6ren. Zu dieser Zeit waren kaum noch Pilger zu sehen. Die meisten machten ja hier in Santo Domingo halt, einen der Hauptorte und waren meist schon wieder unterwegs. In der Stadtmitte steht eine ber\u00fchmte Kathedrale. Dort fand der Legende nach das ber\u00fchmte H\u00fchnerwunder statt. In der Kathedrale del Salvador in Santo Domingo de la Calzada erinnert ein H\u00fchnerk\u00e4fig mit einem lebenden H\u00fchnerpaar, das alle zwei Wochen ausgetauscht wird, an das H\u00fchnerwunder des heiligen Domingo. Auf dem Weg nach Santiago n\u00e4chtigt ein deutsches Ehepaar mit seinem Sohn in der Herberge zu Santo Domingo. Die Wirtstochter fand den Sohn der Familie sehr attraktiv, der fromm und keusch<br>ihr Angebot aber zur\u00fcckwies. Die Zuneigung der Wirtstochter wandelte sich in b\u00f6sen Zorn, sie sann auf Rache und versteckte einen Silberbecher in seinem Gep\u00e4ck. Der Wirt bemerkte am Folgetag den Verlust und schickte die Stadtb\u00fcttel aus, die auch schnell fanden, was sie suchten. Der junge Mann wurde nach kurzem Prozess aufgeh\u00e4ngt und die Eltern zogen traurigen Herzens weiter nach Santiago. Auf dem R\u00fcckweg kamen sie wieder an der Richtstatt vorbei, wo sie ihr Sohn ansprach, dass er gar nicht tot sei, weil ihn Santiago gehalten habe. Die Eltern liefen daraufhin zum Richter, der vor einem Teller gebratener H\u00fchner sa\u00df, und berichteten das Vorgefallene. Der Richter antwortete, dass ihr Sohn so tot sei wie die beiden H\u00fchner vor ihm, worauf diese sich erhoben und davonflatterten. Nun wurde der Sohn ab- und die Wirtstochter aufgeh\u00e4ngt, die Familie zog weiter nach Hause. Nat\u00fcrlich ging ich in die Kathedrale um den Hahn kr\u00e4hen zu h\u00f6ren. Was mittlerweile etwas unsch\u00f6n ist, das man in diesen Gottesh\u00e4usern Eintritt zahlen muss, selbst wenn er nach Vorlage des Pilgerpasses g\u00fcnstiger ist. Auch heute war meine Etappe mit 14 km recht kurz. Das heutige Ziel sollte Granon sein, ein besonderer spiritueller Ort am Camino wie es sie nur noch sehr wenige gibt. Ich hatte dar\u00fcber sehr viel gelesen und 2017 haben wir dies ausgelassen. Aber diesmal wollte ich unbedingt dort \u00fcbernachten. Schon am Ortseingang war ein Foodtruck aufgestellt und man konnte in einem Garten eine Rast machen. Sinitia aus den Niederlanden kam auch gerade dazu und so hatten wir ein sch\u00f6nes Gespr\u00e4ch. Ein kleiner wusseliger Italiener ging von Tisch zu Tisch und machte Werbung f\u00fcr die \u00dcbernachtung in Granon. Er sollte viel sp\u00e4ter noch f\u00fcr ein negatives Erlebnis sorgen. Dazu sp\u00e4ter mehr. Es war ja noch sp\u00e4ter Vormittag und eigentlich zu fr\u00fch um den Tag zu beenden, aber Granon wollte ich erleben und diesen besonderen Geist sp\u00fcren. Irgendwie hatte ich dieses Granon anders in Erinnerung und verwechselte es an diesem Tag mit einer anderen Herberge am Weg die \u00e4hnlich war. So kam es, das ich bereits komplett durch Granon durch war und dachte die Herberge liegt au\u00dferhalb der Ortschaft. Zum Gl\u00fcck war am Ende von Granon eine Art Aussichtsplattform wo man sch\u00f6ne Fotos machen konnte. Werner, der ja gerne jedes Motiv fotografierte machte dort einige Fotos. Wir baten eine anwesende einheimische Frau darum, ein Foto von uns zu machen. Wir fragten si noch nach der Herberge in Granon und sie sagte, das wir schon viel zu weit seine. Diese w\u00e4re in der Ortschaft gleich hinter der kleinen Kirche. Sie bot uns an uns dorthin zu bringen, denn sie vermutetet das diese noch nicht offen sei. Sie w\u00fcrde den Hospitalero kenne und uns hinbringen. Dort angekommen war die Herberge zwar offen, aber keiner da. Die Frau suchte nach ihm und kam mit ihm zur\u00fcck. Wir waren an diesem Tag die ersten Pilger dort. Ohne Sie w\u00e4re ich vermutlich wieder an Granon vorbei und h\u00e4tte diese Herberge verpasst, was schade gewesen w\u00e4re. Die Schlafpl\u00e4tze waren direkt unter dem Dach der nebenan liegenden Kirche auf Matratzen. Der Hospitaleros hie\u00dfen Angel und Josefina, diese wiesen uns unsere Pl\u00e4tze zu. In der Herberge in Granon steht die ber\u00fchmte Spendenbox, auf der steht: Pilger gib was Du kannst \u2013 Oder nimm heraus was Du brauchst. Mir fiel nur auf, als ich am n\u00e4chsten Morgen meine Spende in die Box warf, war nichts drin. Ich ging erst nach einer Weile und schaute nochmal in die Box, diese war pl\u00f6tzlich leer. Entweder leeren sie die Box gleich nach der Spende oder es hat doch ein Pilger etwas herausgenommen. Jenn aus London kam auch gerade hinzu. Auch Antonio, ein Spanier und Andre aus Rum\u00e4nien, den ich das letzte mal in Pamplona getroffen hatte, kamen in die Herberge. Wir freuten uns einander wieder zu sehen und es war sch\u00f6n sich mit ihr zu unterhalten. Pl\u00f6tzlich stand der kleine wusselige Italiener vor uns und fing an uns zu umarmen. Sein Name war Andrea. Erst sp\u00e4ter erfuhren wir, das er den Camino ohne Geld machte und hier in Granon machte er einen Zwischenstopp um dort mit zu helfen. Wahrscheinlich durfte er daf\u00fcr \u00fcbernachten und bekam zu Essen. Im Nachhinein irgendwie ein komischer Typ von dem noch sp\u00e4ter zu berichten ist. In der Herberge gibt es 2 Duschen und 2 Toiletten die man mit vielen Pilgern christlich teilen muss. Alles ist sehr spartanisch ausgestattet. Wer Luxus sucht ist hier falsch. Wer aber christliche Gemeinschaft und Einfachheit sucht ist hier richtig. Nach der \u00fcblichen Routine verbrachten wir gemeinsam mit anderen Pilgern etwas Zeit in der nebenan liegenden Bar. Dabei konnte man die Pilger beobachten die hier vorbeikamen. Manch bekannte Gesichter begr\u00fc\u00dfte man und verabschiedete sich wieder mit einem, Buen Camino. Auch das Gebet kam an diesem Tag nicht zu kurz hatte ich doch gen\u00fcgend Zeit. In der k\u00fchlen Kirche von Granon fand man eine Oase der Ruhe auf dem Camino und konnte seinen Gedanken folgen. Am Abend stand ein gemeinsames Essen auf dem Programm. Zwei Spanier hatten sich dankenswerterweise bereit erkl\u00e4rt f\u00fcr die Pilger zu kochen. Aber im Garten mussten die Tische aufgebaut und gedeckt werden wozu alle Pilger mit an packen mussten. Das machte Spa\u00df und man kommt mit vielen Pilgern ins Gespr\u00e4ch. Es gab wie immer ein sehr nahrhaftes Essen das allen sichtlich schmeckte. Nach dem Essen musste nat\u00fcrlich alles wieder gesp\u00fclt und aufger\u00e4umt werden. Viele H\u00e4nde, ein schnelles Ende. Alle halfen mit und es war ein sch\u00f6nes Gemeinschaftsgef\u00fchl das hier entstanden ist. Im Anschluss ging es \u00fcber einen Geheimgang von der Herberge direkt auf die Empore der Kirche. Diese war nach Einbruch der Dunkelheit mit Kerzenlicht ausgeleuchtet. Es wurde zusammen gebetet und gesungen und man beschloss zusammen den heutigen Tag. Obwohl man sich nicht n\u00e4her kannte entstand ein Gemeinschaftsgef\u00fchl wie man es nur auf dem Camino finden kann. Hier f\u00fchlte man die Seele des Camino. Mit einem guten Gef\u00fchl ging man auf seine Bodenmatratze in der Hoffnung das man am Morgen ohne R\u00fcckenschmerzen aufstehen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht war ruhig, was ja kein Kunstst\u00fcck war, waren wir doch nur zu zweit auf einem Zimmer. Der Hospitalero hatte das gemeinsame Fr\u00fchst\u00fcck schon vorbereitet. Ein neues Gesicht war heute fr\u00fch am Tische. 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