{"id":1291,"date":"2022-08-11T10:57:00","date_gmt":"2022-08-11T09:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1291"},"modified":"2024-03-29T10:57:57","modified_gmt":"2024-03-29T09:57:57","slug":"11-08-2022-1-etappe-st-jean-pied-de-port-nach-orisson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1291","title":{"rendered":"11.08.2022 1. Etappe St. Jean pied de Port nach Orisson"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_20220811_101159-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_20220811_101159-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1293\" style=\"width:196px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_20220811_101159-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_20220811_101159-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_20220811_101159-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_20220811_101159-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_20220811_101159-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Nacht war etwas unruhig. Ich war noch aufgew\u00fchlt und wachte nachts des \u00f6fteren auf, obwohl nur 4 Pilger im Schlafsaal waren. Am morgen lernten wir Joel, eine Spanier, der in Frankfurt lebte kennen. Er sprach sehr gut deutsch und wollte den Camino de Norte pilgern. Nach einem guten Fr\u00fchst\u00fcck machten wir uns auf zum Bahnhof. Dort mussten wir wieder fast 2 Stunden warten bis der Bummelzug nach St. Jean pied de Port fuhr. Lelia meinte, das wir kein neues Ticket l\u00f6sen f\u00fcr die Fahrt, sie w\u00fcrde das dem Schaffner schon erkl\u00e4ren. Lelia, mein Caminoengel. Ohne sie w\u00e4re ich wahrscheinlich noch in Paris am Bahnhof. Lelia sollte auf meinen weiteren Weg mein Caminoengel bleiben und mich bis zum Ende des Weges immer wieder mal begleiten. Was ich an dieser Stelle noch nicht wissen konnte. Gegen Mittag kamen wir endlich dort an. Hier war also der Beginn des ber\u00fchmten Camino Frances und ich war zur\u00fcck an diesen Ort an dem ich bereits 2016 gewesen bin. Im dortigen Pilgerb\u00fcro wurden die Pilger an verschiedenen Schaltern mit Informationen und Listen mit Pilgerherbergen versorgt. Es herrschte ein reges Treiben in diesen kleinen Ort. Auf dem Weg hinaus aus der Stadt kamen wir an der Herberge Kaserna vorbei und ich ging hinein, um mich zu entschuldigen, das ich gestern nicht kommen konnte. Man hatte nat\u00fcrlich daf\u00fcr Verst\u00e4ndnis und sagte, ich solle doch heute dort bleiben. Gerne w\u00e4re ich geblieben, aber ich hatte ja die Herberge Orisson reserviert,. Nach einer kurzen Unterhaltung trat ich mit Lelia den Weg aus der Stadt an. Nach einiger Zeit merkte ich, das Lelia etwas schneller als ich unterwegs war und sagte, das sie ruhig ihr Tempo gehen soll. Anf\u00e4nglich lief es eigentlich ganz gut und ich dachte an 2016 zur\u00fcck. Damals brauchten wir f\u00fcr den Weg nach Orisson ca, 2,5 Stunden, allerdings waren wir damals schon eine Woche unterwegs und eingelaufen. Aber an diesen Tag mit 40 Grad im Schatten sollte es ganz anders kommen. Mit jedem Schritt wurde der Weg immer schwerer. Auch hatte ich nicht genug zu trinken mitgenommen und auch nicht an einen zus\u00e4tzlichen Zuckerschub in Form einer Cola gedacht. Auch hatte ich die Steilheit des Weges nicht mehr so in Erinnerung. Dazu waren am Nachmittag kaum noch Pilger zu sehen, da die meisten doch fr\u00fch in St. Jean starten. Irgendwann stand ich mehr am Wegesrand um Pause zu machen, als das ich ging. Mehr und mehr kam ein Zustand der v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung in mir hoch und ich fragte mich, warum ich mir das noch einmal antue. Wenn schon die ersten Kilometer so schwer sind, wie soll es dann erst die n\u00e4chsten 890 km werden. Ich beschloss zu k\u00e4mpfen und setzte mir immer ein kleines Zwischenziel. Die Telegrafenmasten am Weg wurden zu meinen kleinen Zielen an denen ich immer eine kleine Pause einlegte. Irgendwann kam eine Wasserstelle und ich verpasste diese in meinem Tunnelblick. Als ich auf einem Stein eine Rast einlegte sah ich ca. 50 Meter hinter mir 2 Pilger an dieser Wasserstelle. Verr\u00fcckt, ich hatte sie einfach nicht gesehen, so sehr war ich besch\u00e4ftigt mit meinem pers\u00f6nlichen Kampf zwischen mir und dem Camino. Nein, ich gehe nicht zur\u00fcck zur Wasserstelle. Ich war einfach zu schwach daf\u00fcr an diesem Tag. Und so teilte ich mir das restliche Wasser in kleine Portionen ein. Irgendwann musste doch Orisson kommen. Es zog sich endlos und z\u00e4h dahin. Endlich nach einer Kurve sah ich die Refuge Orisson und war froh dort anzukommen. Nach sage und schreibe 4 Stunden kam ich auf meiner ersten Etappe nach nur 8 km an. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich hatte schon so viel Erfahrung auf dem Camino und viele Etappen auf Jakobswegen hinter mir, aber so hart wie diese heutige Etappe war keine einzige davor. Keine Etappe brachte mich je so an meine psychischen und pysischen Grenzen wie diese. Nie zuvor hatte ich so gezweifelt wie heute mein Ziel Santiago zu erreichen. Doch diesmal war alles anders. Ich zweifelte. Wenn jemand gekommen w\u00e4re, und h\u00e4tte mir eine R\u00fcckfahrkarte hingelegt, ich glaube ich h\u00e4tte sie genommen. Zum Gl\u00fcck kam keiner mit der R\u00fcckfahrkarte. Man muss allerdings dazu sagen, das schon einiges an diesem Tag zusammen kam. V\u00f6llig gestresst aus dem Berufsleben, eine knapp 4 Wochen zur\u00fcckliegende heftige Corona Erkrankung, die Hitze mit \u00fcber 40 Grd und die lange Anreise. Dazu noch meine Polyneuropathie, eine Nervenerkrankung in den Beinen als Handycap, die mich zus\u00e4tzlich behinderte. Ich musste darauf achten das ich durch diese Fu\u00dfheberschw\u00e4che nicht stolpere. V\u00f6llig durchgeschwitzt kam ich in der Bar an und bestellte zu allererst ein eiskaltes gro\u00dfes Bier und eine eiskalte gro\u00dfe Cola. In einem zug trank ich beides, noch v\u00f6llig na\u00dfgeschwitzt und au\u00dfer Atem. Jetzt konnte ich mein Bett im Schlafsaal beziehen, W\u00e4sche waschen und Duschen. Im Schlafsaal lagen an diesem Nachmittag schon einige Pilger in den Betten. Anschlie\u00dfend machte ich es mir auf der Terasse gem\u00fctlich um meinen Wasserhaushalt wieder auszugleichen. Dabei lernte ich Werner kennen, einen Pilger, etwas \u00e4lter als ich. Er kam aus dem Hunsr\u00fcck und es war sein erster Camino. Er erz\u00e4hlte von den gleichen Schwierigkeiten wie ich sie hatte an diesem Tag und so war ich jetzt etwas beruhigt, das es mir nicht alleine so erging. Werner hielt sogar ein Fahrzeug an um auf den Berg zu kommen. Lelia kam nun auch dazu, sie wirkte als einzige von uns noch recht frisch. Sie war ja auch 41 Jahre j\u00fcnger und 41 kg leichter als ich. Am Abend gab es ein gemeinsames Abendessen in der Gaststube. An einem der langen Tische sa\u00df ich mit Werner aus dem Hunsr\u00fcck. Gegen\u00fcber von mir sa\u00df Magdalena aus Polen, eine sehr sympathische und sehr gl\u00e4ubige Pilgerin. Wir verstanden uns vom ersten Augenblick an, obwohl sie kein deutsch sprach. Aber mit Englisch ging es einigerma\u00dfen. Die Pilgerrunde war bunt gemischt, aus allen Teilen der Welt kamen sie, um hier zu beginnen und uns alle vereinte eines \u2013 das gemeinsame Ziel Santiago de Compostela. In einer Vorstellungsrunde durfte jeder Pilger sagen, woher er kommt und warum er auf dem Camino ist. So erfuhr man gleich am ersten Abend die Namen der Pilger und ihre verschiedenen Motivationen. An diesem Abend enstand so etwas wie eine Gemeinschaft der Orisson Pilger. Da die Sprache auf dem Weg Englisch ist nannten einige diese Gemeinschaft Orisson Family. Viele von ihnen sollte der Zufall, den es ja nicht gibt, wieder auf den Weg und auch am Ziel zusammenf\u00fchren. Auffallend war, das relativ wenige Deutsche da waren. Das Pilgermen\u00fc war reichlich und schmeckte sehr gut. Auf der Terasse lies ich den Tag ausklingen und beobachtete den aufgehenden Vollmond in den Pyrin\u00e4en. Mit leichten Zweifeln ging ich an diesem verr\u00fcckten und schwersten Tag auf dem Camino ins Bett.<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht war etwas unruhig. Ich war noch aufgew\u00fchlt und wachte nachts des \u00f6fteren auf, obwohl nur 4 Pilger im Schlafsaal waren. Am morgen lernten wir Joel, eine Spanier, der in Frankfurt lebte kennen. 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