{"id":1154,"date":"2019-08-20T14:07:56","date_gmt":"2019-08-20T13:07:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1154"},"modified":"2019-09-15T15:34:13","modified_gmt":"2019-09-15T14:34:13","slug":"10-etappe-o-milladoiro-nach-santiago-de-compostela","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1154","title":{"rendered":"10. Etappe O Milladoiro nach Santiago de Compostela"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #222222;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190820_092625-e1568557765381.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1204\" src=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/20190820_092625-e1568557765381-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Trotz der vielen Pilger im Schlafsaal war die Nacht ruhig und ich stand sehr fr\u00fch auf. Ich hatte ja nur noch 7 km bis zum Ziel, der Kathedrale von Santiago de Compostela. Nach einem Kaffee aus dem Automaten machte ich mich noch in der Dunkelheit auf den Weg. Als die Sonne aufging konnte ich schon von weiten die Stadt sehen. Aber der Weg zog sich noch eine ganze Weile durch die Vorst\u00e4dte von Santiago hin. Der Weg war relativ schlecht gekennzeichnet, aber man ging irgendwie instinktiv Richtung Kathedrale. Es waren nur ganz wenige Pilger unterwegs und gegen 8.30 Uhr war ich schon in der N\u00e4he der Kathedrale. Die Entscheidung schon am Morgen anzukommen erwies sich als absolut richtig. Es waren kaum Pilger auf dem Obradeiro und man konnte ganz bewusst das ankommen genie\u00dfen. Ich war schon gestern aufgeregt und zugleich gespannt wie es sein w\u00fcrde, nochmal hier anzukommen. Ich hatte es ja schon zu f\u00fcnft und zu zweit erlebt. Wie w\u00fcrde es jetzt alleine sein? Eigentlich hatte ich keine gro\u00dfen Erwartungen und war ganz ruhig. Der rote Teppich und das Feuerwerk w\u00fcrden eh ausbleiben. Als ich ankam war es aber dann komplett anders. Irgendwie war es schon eigenartig, es sch\u00fcttelte mich richtig durch und mir standen die Tr\u00e4nen in den Augen. Auch diesmal gab es diesen Augenblick, von dem es hei\u00dft: Irgendwann weinst du auf dem Weg. Das hatte ich nicht erwartet, das mich dieses Ankommen so ber\u00fchrt, war ich doch schon zwei mal an diesem Ort gepilgert. Jeder Weg hat eben seine eigene Geschichte, auch wenn er wieder das gleiche Ziel hat. Ich stand eine ganze Weile mitten auf dem Platz und genoss den Augenblick. Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf bis ein Amerikaner kam und mir gratulierte. Danach wollte er wissen, wo hier der Weg nach Finisterre geht. Das wusste ich zwar noch vom letzten mal, musste mich aber trotzdem erstmal orientieren um ihm nichts falsches zu sagen. Jetzt wollte ich mich auf den Weg zum Seiteneingang der Kathedrale machen. Durch diesen soll der Pilger als Zeichen der Demut die Kathedrale betreten und nicht durch die Porta de Gloria. Ich hoffte das sie offen sei, denn in der Kathedrale war Baustelle. Ich war noch nicht ganz \u00fcber den Platz gelaufen, da traute ich meinen Augen nicht. Vor mir stand mein Freund Dieter (Jung). <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieter kam 2009 als Praktikant in unsere Pfarrei nach Lahm als ich dort noch Pfarrgemeinderatsvorsitzender war. Wir begleiteten ihn dort auf seinen Weg zum Diakon und schlie\u00dflich zum Pfarrer. In all den Jahren war er mir zum Freund geworden, Als ich ihn sah<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #222222;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> warf ich meine Wanderst\u00f6cke weg und wir fielen uns freudestrahlend in die Arme. Es war der Wahnsinn, das wir beide uns hier in Santiago treffen, <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">obwohl wir zuvor nicht miteinander telefoniert hatten. Er sagte mir zwar beim Skapulierfest in Lahm, als wir uns das letzte mal trafen, das er den Camino Primitivo gehen will. Dabei stellten wir fest, das er fast zur gleichen Zeit wie ich ankommen w\u00fcrde, wussten aber nicht ob es funktionieren w\u00fcrde, den es war schwer abzusch\u00e4tzen wann ich bzw, er ankommen w\u00fcrde. Es wird mir unvergesslich bleiben, ihn in Santiago am Ende unserer Caminos getroffen zu haben. So etwas kann man eigentlich nicht planen. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #222222;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieter und sein Freund Werner wollten an diesem Tag mit dem Bus nach Muxia und Finisterre. Wir verabredeten uns deshalb f\u00fcr den Abend um zusammen Essen zu gehen und unser Treffen in Santiago zu feiern. Ich ging zum Seiteneingang, aber leider war er verschlossen. Also zur\u00fcck zur anderen Seite der Kathedrale mit dem anderen Seiteneingang. Dort gab es eine Andenkenladen, bei dem man seinen Rucksack deponieren konnte, denn damit darf man nicht in die Kathedrale. In der Kathedrale waren um die Zeit noch nicht all zu viele Leute, So konnte ich mich in Ruhe an das Grab des Apostels begeben und in Stille dort eine l\u00e4ngere Zeit zu beten und zu verweilen. Danach wollte ich hoch zum Jakobus um ihn zu umarmen, aber was ich da sah war der Wahnsinn. Woher kamen jetzt all die Menschen? Eine riesig lange Schlange hatte sich gebildet und lies eine l\u00e4ngere Wartezeit erwarten. Dies wollte ich mir heute nicht antun und entschloss das in den n\u00e4chsten Tagen nachzuholen. Vor der Kathedrale hatten sich am Eingang auch bereits l\u00e4ngere Schlangen gebildet. Einfach Wahnsinn. Ich entschloss mich wieder nach drau\u00dfen auf den Platz zu gehen. Vor mir sa\u00df auf dem Boden Eike aus N\u00fcrnberg. Wir begr\u00fc\u00dften und begl\u00fcckw\u00fcnschten uns herzlich, als wenn wir uns schon Jahre kennen w\u00fcrden. Jetzt kamen auch Christiane, Vivian, Johanna und Paulina an. Ich begr\u00fc\u00dfte sie herzlich, gratulierte zur Ankunft in Santiago und freute mich mit ihnen. Es war einfach sch\u00f6n, das strahlen in den Gesichtern zu sehen wenn das Ziel erreicht ist. So nach und nach f\u00fcllte sich der Platz und das Gewimmel wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Es war also absolut die richtige Entscheidung ganz fr\u00fch am Morgen anzukommen. Eike und ich entschlossen uns zusammen zur Pilgermesse um 12.00 Uhr zu gehen. Johanna und Paulina kamen dann auch noch dazu. Diese findet aufgrund der Renovierungsarbeiten in der Kathedrale in St. Franziskus statt. Im Vergleich zu den Messen in der Kathedrale waren aber deutlich weniger Menschen in der Mittagsmesse. F\u00fcr viele geh\u00f6rt die Messe schon nicht mehr zum Ankommen in Santiago. Genauso konnte man beobachten was die Leute nach dem Ankommen auf dem Obradeiro machen. Normalerweise sollte man denken, der erste Weg w\u00e4re der zum Grab des Apostels, das ja schlie\u00dflich das Ziel aller Jakobswege ist, aber weit gefehlt, f\u00fcr viele ist es oft wichtiger zuerst die Urkunde zu bekommen. Auch fuhr mittlerweile eine Bimmelbahn. Sollte der Pilger in Porto am Ende recht behalten, der ins dortige G\u00e4stebuch schrieb, Santiago ist mittlerweile wie Disneyland geworden. Jetzt musste ich erst mal eine Unterkunft in Santiago suchen. Was lag n\u00e4her als zum Seminario Menor zu gehen, in dem wir schon 2017 waren. Es war eine riesengro\u00dfe Herberge und da bekommt man mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit ein Bett. So war es dann auch. Ich bezog mein Bett, schlo\u00df meinen Rucksack ein und ging zur\u00fcck in die Stadt. Auf der Stra\u00dfe rief eine Stimme meinen Namen, ich drehte mich um und es waren Benedikt und Daria. Bei Benedikt musste ich eine Zeitlang \u00fcberlegen woher ich ihn kannte. Er half mir dann dabei. Wir hatten uns in Porto beim Warten auf die Metro am Flughafen kennengelernt. Wahnsinn ihn hier wieder zu treffen und vor allem, das er sich noch an mich erinnern konnte. Auch Daria hatte ich seit unserer Begegnung in Barcelinho nicht mehr gesehen, aber sie erkannte ich gleich wieder. Pilger die sich finden sollen, finden sich auch wieder. Gleich danach rief wieder eine Stimme nach mir, diesmal aus einer Kaffebar, es war Paulho, der gerade mit Martina einen Espresso trank. Die beiden baten mich dazu. Die Herzlichkeit die beide ausstrahlten war einfach ansteckend. Pilger die einander verstehen finden sich immer wieder zusammen. Im Nu war eine Stunde vergangen und ich wollte ja noch zum Treffen der deutschsprachigen Pilger ins Pilgerzentrum. Zu diesen Treffen waren gerademal 4 Pilger gekommen, schon ver\u00fcckt wenn man bedenkt, wie viele an einem Tag ankommen. Es war trotzdem eine sch\u00f6ne Begegnung in einer ruhigen Atmosph\u00e4re und dort auch von den Erfahrungen der anderen Pilger auf dem Weg zu h\u00f6ren. Eine ganz junge Pilgerin erz\u00e4hlte, das sie in Portugal zwei mal bel\u00e4stigt wurde. In der Dunkelheit wurde sie am fr\u00fchen Morgen von einem Mann mit Maske verfolgt der dabei onanierte. Sie rief daraufhin die Polizei, welche sich aber nicht darum k\u00fcmmerte. Das andere mal wurde sie sogar angegriffen, sie konnte sich aber wehren, denn sie konnte Kampfsport. Von solchen Horrorgeschichten hatte ich bisher noch nicht geh\u00f6rt. Zum Gl\u00fcck hatte das M\u00e4dchen die Erlebnisse gut verarbeitet. Inga, eine Pilgerin aus K\u00f6ln erz\u00e4hlte, das sie einmal keine Unterkunft fand, und eine Nacht zusammen mit einer anderen Pilgerin in einem Stundenhotel verbringen musste. Irgendwie auch eine eigenartige und skurile Erfahrung. Mit Hans, einem Diakon aus M\u00fcnchen unterhielt ich mich \u00fcber die positiven aber auch negativen Seiten des Pilgerns und besonders \u00fcber die Folgen hier in Santiago \u2013 Disneyland eben. Er war das erste mal hier und war nicht dieser Meinung. Aber bei jedem \u00fcberwog trotz einiger negativer Erlebnisse am Ende die Freude am Camino und das Ankommen am Ziel. Sp\u00e4ter war dann am Abend die F\u00fchrung um die Kathedrale. Hier wurden einige Stellen au\u00dfen an der Kathedrale theologisch ausgelegt. Um die Kathedrale verteilen sich am Abend viele Gaukler und K\u00fcnstler um ihre Darbietungen zu zeigen. Dabei wir es oft ganz sch\u00f6n laut. Ich sagte mit einem kleinen Seitenhieb zu Hans nur \u201eDisneyland\u201c und er nickte nur. Schon skuril was aus diesem heiligen Ort gemacht wurde. Mittlerweile waren Dieter und sein Freund Werner aus Finisterre zur\u00fcck und wir gingen jetzt in den Tapasbars Essen. In einer dieser Bars war ich gerade auf den Weg zur Theke und wurde mit frenetischen Umarmungen begr\u00fc\u00dft. Es waren Juan Carlos und Dani, die ich in der Herberge und Bar in Padron getroffen hatte. Ich hatte sie seither nicht mehr gesehen und wir feierten unser wiedersehen wie wenn alte Freunde sich nach langer Zeit wieder treffen. Die Seele des Camino eben. In unserer Stammkneipe in der N\u00e4he der Kathedrale sa\u00dfen wir den Rest des Abends bei einem guten Wein zusammen und philosophierten \u00fcber das Leben, den Glauben, den Camino und noch einige andere Dinge. Mein Pate Alois w\u00fcrde sagen: Den Abend leeres Stroh gedroschen, aber ganz so war es auch nicht. Der Abend verging einfach zu schnell und ich h\u00e4tte mit Dieter sicherlich noch einige Stunden diskutiert. Aber er musste zur\u00fcck in seine Herberge, Werner war schon eher gegangen, denn morgen mussten sie fr\u00fch zur\u00fcck nach Deutschland reisen. Wir verabschiedeten uns nach dieser unglaublichen Begegnung hier in Santiago mit dem Wunsch uns bald wieder mal zu treffen, so Gott will, vielleicht wieder auf dem Camino. Nichts ist ja Zufall. Und auch ich musste schnellstens in meine Herberge, die schlo\u00df ihre Tore um 0.30 Uhr. In der Dunkelheit und auch aufgrund von etwas zu viel Wein fand ich fast den Weg nicht und schaffte es gerade noch rechtzeitig. Ein vollgepackter Caminotag mit vielen Erlebnissen und Emotionen ging zu Ende und letzlich war ich froh im Bett zu sein.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #222222;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gracias und Buen Camino<\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz der vielen Pilger im Schlafsaal war die Nacht ruhig und ich stand sehr fr\u00fch auf. Ich hatte ja nur noch 7 km bis zum Ziel, der Kathedrale von Santiago de Compostela. 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