{"id":1010,"date":"2017-06-10T20:59:55","date_gmt":"2017-06-10T19:59:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1010"},"modified":"2021-04-18T21:02:51","modified_gmt":"2021-04-18T20:02:51","slug":"98-etappe-von-astorga-nach-foncebadon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/?p=1010","title":{"rendered":"98. Etappe von Astorga nach Foncebadon"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\"><a href=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170610_083721-e1618776164311.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-940\" src=\"https:\/\/blog.fitus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170610_083721-e1618776164311-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Heute schlichen wir uns alle ruhig aus unserem Zimmer, Michail schlief als einziger noch und man wollte ihn nicht all zu sehr st\u00f6ren. Auch das ist ein ungeschriebenes Gesetz auf dem Camino, das man fr\u00fch nicht einfach das Licht anmacht und seine Sachen zusammenpackt wenn noch einige Pilger schlafen. Meist packt man schon schon am Abend seine Sachen im Rucksack zusammen um am morgen mit ein paar Handgriffen den Rucksack und den Rest seiner Habseligkeiten aus dem Zimmer zu bringen. Im Flur zieht man sich dann erst an und verstaut alles wieder im Rucksack. Mit der Zeit und mit l\u00e4ngeren unterwegssein wird man darin immer ge\u00fcbter und routinierter. Es war noch dunkel als wir Richting Kathedrale gelaufen sind. Dort trafen wir schon auf jede Menge Pilger, die auch schon so fr\u00fch unterwegs waren. Petra aus Bonn sprach mich an, und wir gingen eine ganze Weile miteinander. Wir waren uns schon gestern mal kurz in der Stadt begegnet. Es entwickelte sich eine rege Unterhaltung \u00fcber das Pilgern. Man war gleich auf einer Wellenlinie und so war die Unterhaltung kurzweilig und intensiv. Man merkt sehr schnell ob sich jemand unterhalten will oder ob er lieber alleine gehen will. Jeder hat da so seine Vorlieben. Kurz nach Astorga kommt eine Kapelle namens \u201eEcce Homo\u201c. Sie wurde gerade aufgesperrt und wir nahmen die Gelegenheit wahr dort in der leeren Kapelle unseren \u201eEngel des Herrn\u201c zu singen. Es war nicht immer einfach einen ruhigen Ort f\u00fcr unser t\u00e4gliches Lied zu finden. Meist sangen wir ihn auf freier Strecke fr\u00fch am Morgen wenn gerade noch nicht so viele unterwegs waren. Die Strecke im Anschluss war relativ flach und das Pilgeraufkommen war an diesem Tag recht hoch. Wenn viele Pilger unterwegs sind lernt man nat\u00fcrlich auch wieder welche kennen, vorausgesetzt man ist immer offen f\u00fcr solche Begegnungen. Da wir meist mit etwas Abstand zu einander liefen konnte jeder seine eigenen Bekanntschaften machen. So lernte ich 2 M\u00e4dels kennen, die seit heute fr\u00fch zusammen unterwegs waren. Denise kam aus K\u00f6ln und Shayenne aus dem M\u00fcnsterland. Es war eine wunderbare Unterhaltung mit diesen beiden jungen Frauen und es ist immer wieder spannend nachzufragen \u201eWarum machst du diesen Weg?\u201c. Die Beweggr\u00fcnde diesen Camino zu pilgern sind recht unterschiedlich, vor allem bei den j\u00fcngeren Pilgern. Ich bewundere all die jungen Pilger, die sich die Zeit nehmen k\u00f6nnen diesen Weg zu gehen und dabei unvergleichliche Erfahrungen zu machen. Shayenne war gerade mal Anfang 20 und suchte auf dem Weg eine Antwort f\u00fcr ihr weiteres Leben. Sie hatte einen neuen Ausbildungsplatz als Krankenschwester gefunden und war sich nicht ganz sicher ob es das richtige f\u00fcr sie ist. Hier erhoffte sie sich eine Antwort zu finden. Am fr\u00fchen Vormittag erreichten wir dann El Ganso. El Ganso, das ist der Ort wo vor 10 Jahren mein Lieblingslandschaftsbild vom Camino entstand. Hier war das Pilgeraufkommen gerade sehr hoch. Die Cafe Bars waren alle besetzt mit Pilgern. Anscheinend hatte alle Lust auf Cafe con Letche. Hier traf man dann an den Bars viele bekannte Gesichter, so unter anderem auch Frank. Er ist Pastoralreferent und kommt aus der N\u00e4he von Aachen. Ihn hatten wir bereits schon vor einigen Tagen mal kurz kennengelernt. Er war meist schneller als wir unterwegs, und so trafen wir uns meist nur mal in den Cafe Bars am Weg. Gegen Mittag waren wir dann in Rabanal, einer der markantesten Punkte auf dem Jakobsweg. Dort trafen wir Gunter aus Heidelberg unseren Zimmerkameraden der letzten Nacht wieder. Er hatte es sich bereits in seiner Herberge gem\u00fctlich gemacht. Wir unterhielten uns noch eine Weile mit ihm und anschlie\u00dfend besuchten wir die Kirche von Rabanal. Da es noch recht fr\u00fch am Tag war beschlossen wir weiter nach Foncebadon zu gehen. Es war zwar ziemlich hei\u00df und wir wussten das der Weg ca. 2,5 Stunden immer Bergauf ging. Aber es sollte sich lohnen die Strapazen auf sich zu nehmen. Unterwegs trafen wir auf Renate und Eddy. Zusammen machten wir eine l\u00e4ngere Rast an einem der Brunnen. Schwei\u00dfnass kamen wir dann in Foncebadon an. Der Ort hatte sich in den letzten Jahren erheblich ver\u00e4ndert und man erkannte ihn fast nicht mehr. Es enstanden jede Menge Herbergen und Bars. Sogar eine Art Hotel f\u00fcr die Pilger ist geplant. Der Ort war voll mit Pilgern. Marianne war auch schon da und bereits frisch geduscht. Sie hatte sich zusammen mit Louis, einem jungen Kolumbianer, mit dem sie heute unterwegs war, eine Unterkunft gesucht. Wir beschlossen in die kirchliche Herberge Domus Dei am Ortsausgang zu gehen. Die Herberge befindet sich an einer Kirche angegliedert und war bereits gut gef\u00fcllt. Es standen draussen noch einige Pilger an. Auch Frank, Shayenne und Denis stellten sich hinter uns an, beschlossen aber wieder zu gehen, da ihnen die Herberge zu klein und unsauber erschien. Wir quardierten uns aber dort ein. Wir wurden recht herzlich von Jose Antonio dem Betreuer der Herberge empfangen. Es waren nur noch wenige Betten frei. Die Herberge war sehr einfach ausgestattet was vor allem die sanit\u00e4ren Anlagen betraf und auch im Schlafsaal war es recht eng. Edgar war mittlerweile mit der Herberge nicht mehr einverstanden und wollte am liebsten wieder gehen, da nach seiner Meinung andere Pilger besser untergekommen sind. Alles war irgendwie nicht passend f\u00fcr ihn an diesem Tag. Sollte er etwa unter die Luxuspilger gegangen sein die gr\u00f6\u00dferen Komfort brauchen? Vielleicht lag es auch daran, das wir schon so lange unterwegs waren,er die deutsche Ordentlichkeit vermisste und sich nicht mehr mit den Widrigkeiten einer einfachen Herberge abfinden wollte. Ich konnte es jedenfalls nicht verstehen, hatten wir doch solche Herbergen schon des \u00f6fteren. Hier musste man sich wieder mehr miteinander absprechen wenn man duschen oder waschen wollte. Das hat aber auch seine Vorteile, so lernt man dann wieder viele neue Pilger kennen wie Natascha aus L\u00f6rrach. Sie kommt urspr\u00fcnglich aus Sibirien, war mit ihrer Mutter unterwegs und sprach 5 Sprachen. Zwischenzeitlich kam auch noch Jens aus Frankfurt und Carla aus Argentinien dazu. Mit ihr kam man auch wieder \u00fcber den Fu\u00dfball ins Gespr\u00e4ch. Nach ihre Herkunft gefragt sagte sie, sie kommt aus Rosario, der Heimatstadt von Lionell Messi. Den kennt ja die ganze Welt. Auch Catarina aus Italien kam noch an diesem Tag hinzu. Um noch etwas trinken zu gehen musste man allerdings vom Ortsausgang wieder zur\u00fcck zur Dorfmitte laufen. Die Bars waren voll mit bekannten Gesichtern und es war an diesem Nachmittag einfach herrlich drau\u00dfen vor der T\u00fcr zu sitzen, ein Bier zu trinken und sich mit all den Bekannten zu unterhalten. Auf der Stra\u00dfe liefen und schliefen die \u201eWilden Hunde von Foncebadon\u201c wie sie von Hape Kerkeling in seinem Buch beschrieben wurden. Auch ein Besuch der kleinen Kirche sollte sich lohnen. Sie ist zwar sp\u00e4rlich eingerichtet, hatte aber f\u00fcr mich eine besondere Anziehungskraft. Irgendwie war hier eine besondere Ruhe zu sp\u00fcren. In der Herberge wurde heute gekocht. Jose ein<\/span><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\">\u00a0 <\/span><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\">Spanier hatte sich bereiterkl\u00e4rt f\u00fcr alle Pilger Paellea zu machen. Die Vorspeisensalate machten wir alle gemeinsam. Die Zutaten f\u00fcr das Abendessen wurden vom Hospitalero besorgt. Choo und die beiden Lees, die drei kamen aus S\u00fcdkorea, deckten mit mir zusammen den Tisch. So hatte jeder der Pilger eine Aufgabe \u00fcbernommen. Mit einem gemeinsamen Tischgebet begannen wir mit dem Abendessen. Gerade hier in diesen einfachen Herbergen kommt ein unheimliches Gemeinschaftsgef\u00fchl auf, das man sonst nirgendwo so erleben kann. Auch die Herzlichkeit mit der man einander begegnet ist einzigartig, wenn man bedenkt, das man sich einander nur wenige Stunden kennt. Wir waren \u00fcber eine Stunde mit dem Essen besch\u00e4ftigt und genossen das Essen und die Unterhaltung. Wir sa\u00dfen neben Choo und den beiden Lees. Die Asiaten waren sehr nett und zudem sprach Choo einige Worte deutsch. Wir hatten uns schon in den vergangenen Tagen immer wieder mal getroffen, waren aber nicht n\u00e4her ins Gespr\u00e4ch gekommen. Heute war das etwas anders, die anf\u00e4nglichen Ber\u00fchrungs\u00e4ngste verflogen und wir hatten einen netten Abend miteinander. Das notwendige absp\u00fclen des Geschirres \u00fcbernahmen dann zwei Italiener. Anschlie\u00dfend sa\u00dfen wir noch zusammen auf der Veranda und lie\u00dfen den Abend ausklingen. Mit Vorfreude auf den n\u00e4chsten Pilgertag gingen wir schlafen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-family: Times New Roman; font-size: medium;\">Buen Camino<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute schlichen wir uns alle ruhig aus unserem Zimmer, Michail schlief als einziger noch und man wollte ihn nicht all zu sehr st\u00f6ren. 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